Es sind nun
schon 6 Monate vergangen und ich bin endlich voll und ganz in meiner neuen
Heimat angekommen. Meine früheren Zweifel haben sich schlagartig in Angst
umgewandelt, weil ich jetzt nur noch etwas mehr als vier Monate hier habe bis
ich wieder gehen muss. Die Zeit fliegt davon, gerade das stelle ich fest, wenn
ich über die letzten drei Monate nachdenke und feststellen muss wie viel in
dieser kurzen Zeit passiert ist.
Vor
drei Monaten war Weihnachten und ich, sowie wohl jeder andere Austauschschüler,
habe es nicht ohne Tränen überstanden. Die Weihnachtsvorbereitungen fingen hier
schon viel früher an als in Deutschland, nämlich Anfang November, als alle
Dekokisten vom Speicher geholt wurden und das ganze Haus in Weihnachtsglanz
erleuchtete. Doch kam die Weihnachtsstimmung noch lange nicht. Tagsüber
herrschten durchschnittlich 25 °C mit blauem Himmel. Dann Anfang Dezember wurde
es Weihnachtlicher, in den ersten Dezemberwochen traf sich jeden Abend die ganze
Familie meiner Gastmutter, wandernd von Haus zu Haus um die Krippen zu
betrachten, zu beten und zu Essen. Eigentlich beginnt diese Tradition erst neun
Tage vor Weihnachten wie in der Familie meines Gastvaters.
Um meiner
Familie auch etwas von den deutschen Traditionen zu zeigen bastelte ich meinen
Eltern und Geschwistern einen Adventskalender, auch habe ich die Tradition des
Adventskranzes angesprochen die hier auch bekannt ist und in meiner Schule
wahrgenommen wurde.
In der
letzten Schulwoche vor den Ferien fuhr die ganze Oberstufe bepackt mit
Geschenken (Klamotten, Töpfe, Essen, Spielzeuge usw.) in ein Ort zwei Stunden
von Loja entfernt, Olmedo, um den armen Familien dort ein Weihnachten zu ermöglichen.
Es wurde zusammen gespielt wo die Kinder gegen uns gewinnen konnten um etwas
Süßes zu ergattern, wir ließen sie natürlich immer gewinnen. Ich empfand es als
eine sehr gute Erfahrung, da der Lebensstandartunterschied von meinem neuen
Zuhause, Loja, zu dem Dorf doch sehr groß war.
Dann
war Heiligabend endlich da. Ich stand bereits mit einem seltsamen Gefühl im
Magen auf, ignorierte es aber und ging frühstücken. Meine ganze Familie war
bereits fleißig am Kochen für das große Mittagessen, jedoch niemand wünschte
mir „frohe Weihnachten“. Ich aß schweigend und verschwand wieder in meinem
Bett, wo mich die wohlbekannte Austauschschülerkrankheit erwischte und ich
weinte. Nach einem Gespräch mit meiner Familie in Deutschland ging es mir
wieder viel besser und als meine Gastmama kam und mich erst mal in den Arm nahm
konnte ich beruhigt den Rest des Tages genießen. Mit einem vollen Magen von dem
riesigen Mittagessen bin ich wieder ins Bett um meine schmerzenden Augen
erholen zu lassen und um den Abend/ die Nacht überstehen zu können.
Als erstes
ging es zu den Eltern meiner Mutter, wo ich das erste Mal meine Cousins kennen
lernte, die auf eine deutsche Schule in Quito gehen. Nach dem Geschenke
Auspacken, bei dem auch ich etwas bekam, gab es ein weiteres großes Essen doch
in Eile, weil wir schon bei den anderen Großeltern sein sollten. Dort gab es
dann wieder Essen und Geschenke, jedoch ließ man den Abend dann ruhig
ausklingen. Ich spielte mit meinen Cousins und Cousinen Pantomime und die Zeit
verging wie im Flug bis wir dann um halb 5 des nächsten Morgen nach Hause kamen.
Es war aber noch nicht vorbei, sondern es gab noch mehr Geschenke von meiner
Gastfamilie.
Am 1. Weihnachtsfeiertag
fuhren wir nach Malacatos, ein Vorort von Loja, in die Finka eines Onkels wo
sich die ganze Familie meiner Mutter traf. Wir aßen und spielten. Alle wurden
in Gruppen eingeteilt und es gab eine Spielolympiade.
Der 2.
Weihnachtsfeiertag wurde zum Ausruhen genutzt und die ganze Familie lag den
kompletten Tag im Bett.
Die Woche
bis Silvester war eine Erholung bis auf die Taufe meiner Cousine gab es nichts
Aufregendes.
Silvester
begann nicht so gut für mich, da ich auf die letzte Minute ein Kostüm finden
musste. Als Blumenmädchen gingen wir dann zu den Nachbarn wo der
Meenzer-Karneval stattfand. Es war tatsächlich wie Fassenacht. Nach einem
großen Abendessen, Essen ist hier sehr beliebt, ging es mit der ganzen Familie
auf die Familienparty. Es wurde getanzt und dann kurz vor 12 ein Testament vorgelesen.
Den hier ist es Tradition um Mitternacht eine Papierpuppe zu verbrennen, das so
genannte „Año Viejo“ (das alte Jahr). Das stirbt nämlich um Mitternacht
hinterlässt aber jeder Familie etwas. Mir wurde nichts hinterlassen, jedoch
wurde ich meiner Gastfamilie vererbt. Dann war es auch schon nach 00.00h und
wir verpassten den Countdown! Die Puppen wurden verbrannt und man sprang drei
Mal über das Feuer, da es Glück bringt. Man rannte mit Koffern um den Block um
im neuen Jahr viel reisen zu können und kehrte mit einem Besen das Böse aus dem
Haus und das Gute in das Haus. Es gab wieder Essen und um 4.00h ging es nach
Hause ins Bett, tot vom vielen Tanzen. Aber es blieb nicht viel Zeit zum
schlafen, da wir morgens schon früh in die Finka meiner Großeltern fuhren um
dort wieder zu Essen.
Ich denke
mit diesen Tagen habe ich die schwierigste Phase meines Austauschs überstanden,
abgesehen von dem Abschied am Ende des Jahres.
Mitte Januar
kam bei mir dann endlich der Knackpunkt. Ich war angenommen, voller Optimismus
und voller Tatendrang. So kam es, dass ich mich endlich in einem Fitnessstudio
einschrieb, obwohl ich stolz zu geben kann, bis jetzt noch nicht zugenommen zu
haben. Ich gehe mehr mit Freunden weg
und lache viel mehr. Das war unteranderem ein schönes Zeichen für mich, dass
ich die Sprache mittlerweile so gut verstehe um Witze verstehen zu können und
mit zu lachen.
Nach 2
Wochen Schule im neuen Jahr begann die Sportwoche. Die Jungs und die Mädchen
wurden jeweils in Mannschaften eingeteilt um Basketball und Fußballspiele
gegeneinander zu spielen.
Es gab eine
große Eröffnungsfeier und wir mussten in der prallen Sonne Basketball spielen.
Danach bin ich direkt heim, weil ich einen Sonnenstich hatte. Mitte Februar
waren die ganzen Spiele dann vorbei und es wurde geehrt. Meine Mannschaft
machte den 2. Platz im Basketball und den 3. Im Fußball.
Ende Januar
hatte sich für mich hier in Loja einiges geändert, denn nachdem ich 5 Monate
alleine hier in Loja war, bekam ich eine neue Kameradin aus Australien. Sie
spricht kein Spanisch, also wird mein Englisch jetzt wieder gefordert, jedoch
die meiste Zeit um ihr Spanisch zu erklären bzw. beizubringen.
Seit sie da,
ist hat sich auch in der Schule einiges verändert. Ich bin nicht mehr jede
Stunde mit meiner Klasse, sondern habe jetzt Spanischunterricht mit den
Jüngsten der Schule und unterrichte diese in Englisch. Der Tag vergeht somit
viel schneller, somit aber auch die Woche, da ich nun einen vollen Tages- und
Wochenplan habe.
Am
29. Januar 2011 ging es für mich auf die nächste Reise, in den Orient,
Amazonas. Es waren fast alle anderen Austauschschüler in Ecuador dabei und die
vier Tage vergingen wie im Flug. Wir waren in einem wunderschönen Hotel am Río
Napo untergebracht und sind jeden Morgen von dort aus in kleinen wackeligen
Booten in neue Abenteuer gestartet. Wir haben den Urwald erkundigt, Früchte von
Bäumen gegessen, sind zu einer Schmetterlingsfarm mit Schmetterlingen so groß
wie das Gesicht, haben wieder König und Königin gewählt, sind zu einer Rehabilationsstelle
für Tiere gegangen und haben Tiere gesehen die ich mir nie erträumt hätte, sind
mit riesigen Reifen auf dem Fluss getrieben. Die Zeit dort verging so schnell,
aber der Spaß ging für mich noch weiter, denn ich würde die nächsten Tage noch
in Quito bleiben um die Hauptstadt zu erkundigen.
Zusammen mit
anderen Austauschfreunden machten wir alleine Quito unsicher. Wir gingen zur
„Mitad del Mundo“ (Mitte der Welt) um die faszinierenden Eigenschaften des
Äquators zu erleben und experimentieren. Das historische und wunderschöne
Zentrum wurde mit einigen sehr guten und speziellen Führungen erkundigt. Dort
verbrachten wir auch einen Abend in „la Ronda“. Das ist eine kleine Straße so
wie man sie aus Spanien kennt und wie man sich ganz Süd-Amerika vorstellt. 1000
kleine Restaurants aus denen Live-Musik drängt, in denen getanzt, getrunken und
gegessen wird.
Einen Tag
wurden wir auch nach Otavalo gebracht wo der größte Artesanal-Markt Ecuadors
ist. Es macht so viel Spaß die vielen kleinen Stände zu durchstöbern und von so
vielen Farben umgeben zu sein. Dann war ich aber froh wieder zu Hause zu sein,
denn die Tage waren sehr anstrengend.
Es kam
Valentinstag, auf den ich eigentlich nicht so viel Wert lege, deswegen war ich
wahrscheinlich auch so überrascht, als ich von der anderen Gastfamilie zum
Essen eingeladen wurde, in ein Fünf-Sterne-Hotel. Es gab Rosen und Süßigkeiten
und obwohl ich dann nur noch ins Bett wollte, ging es mit meiner Familie nochmal
leckere Pizza essen.
Wenige
Wochen später konnte ich nach einem großen Hin und Her den ersten Besucher in
Loja willkommen heißen. Ein Austauschfreund kam mich Besuchen und ich konnte
endlich mal beweisen wie schön Loja ist, da von den anderen Austauschschülern
immer gespottet wird, dass es so klein wäre und so abgelegen usw. Aber ich
liebe es hier, es ist perfekt. Das Wetter, die Größe, die Menschen, alles hier
macht mich glücklich.
Auch die
Lage hat sich gerade gestern (11.03.11) als sehr gut bewiesen, denn es gab das
starke Erdbeben in Japan, das eine Tsunami-Warnung auslöste. Meine Mama
berichtete mir davon als ich vor der Schule zum Frühstück in die Küche kam. Ich
wusste nicht wie ich reagieren sollte, da ich eine Tsunamisituation von
Deutschland nicht kenne. Es kam erst mal zu einem Tränenausbruch, obwohl ich
wusste, dass mir hier oben in den Bergen nichts passieren würde, machte ich mir
Sorgen um die ganzen Menschen an der Küste vor allem meine ganzen Freunde die
am Meer leben. Außerdem sollten an diesem Freitag die ersten Austauschschüler
nach Galapagos fliegen, was selbstverständlich abgesagt wurde. Ich saß den
ganzen Tag vor dem Fernseher um die Nachrichten zu hören, gottseidank ging
alles gut aus. Es gibt keine großen Schäden und die Gruppe ist eben einen Tag
später nach Galapagos.
Jetzt fehlen
nur noch ungefähr 4 ½ Monate bis ich mich schon von diesem wunderschönen Land
verabschieden muss. Zu Zeit bin ich hier so glücklich wie ich es mir nie
erträumt hätte. Mein Kopf besteht aus einem einzigen Sprachensalat, sodass ich
es nicht mal mehr hinbekomme einen komplett deutschen, spanischen oder
englischen Satz zu denken, sondern ein Gemisch aus allem.
Ich bin angekommen!
Nun bleibt
mir nichts anderes mehr übrig als den Rest meiner Zeit hier zu genießen. Mich erwarten
noch die Traumreise nach Galapagos und die letzte Reise rund um Ecuador.
Außerdem werde ich das Land noch selbstständig erkundigen um so viel wie Möglich
zu erlernen.
Ich kann
mich wieder nur bei Rotary bedanken, mir diese Möglichkeit gegeben zu haben und
es ihnen niemals vergessen.
Muchas
Gracias!
Isabelle
Maus
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